So kannst du uns unterstützen

... und auf dem unteren Teil dieser Seite findest du ein paar persönliche Gedanken von mir.

Verschenke eine Patenschaft!

Vielleicht bist du auf der Suche nach einem Geschenk und möchtest auch etwas Gutes tun? 
Eine Kuh-Patenschaft könnte das Richtige sein. So kannst du Freunden oder Familienmitgliedern eine Freude machen und unterstützt gleichzeitig die weitere Finanzierung der einzelnen Herdenmitglieder. Die Patenschaft kann in Kombination mit einem "KuhKonakt" oder einer "individuellen Kuhbegleitung" verschenkt werden, welche in diesem Zusammenhang nur die Hälfte kosten.

Kuh-Patenschaften

Als Pate eines Tieres unterstützt man dessen dauerhafte Finanzierung. Eine Kuh-Patenschaft wird meistens monatlich per Dauerauftrag abgerechnet, kann aber auch viertel- oder halbjährlich oder einmal im Jahr erfolgen. Die Höhe des Betrages wählst du selbst. Als Pate darfst du deine Patenkuh nach Absprache besuchen.
Auf dieser Seite kannst du sehen, für welche Tiere noch Paten gesucht werden! Du kannst alternativ auch eine Herdenpatenschaft übernehmen und somit die Versorgung der gesamten Herde unterstützen. Ohne diese Unterstützung wäre es mir nicht möglich, alle diese Tiere dauerhaft zu halten.

Wenn du uns helfen möchtest, schreibe mir einfach eine Nachricht über das Konatktformular oder per E-Mail an [email protected]. Vielen Dank!

Patenschaften können auch verschenkt werden z. B. zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Melde dich gerne für mehr Infos!

Fiene hat bisher eine Teilpatenschaft durch die Aktionsgemeinschaft für Tiere e.V. Vielleicht möchtest du auch ihre Versorgung finanziell unterstützen? Für Fiene fehlen 70 Euro im Monat.

Elodie hat 3 Patinnen. Für sie fehlen 80 Euro im Monat.

Nono lebt Hof vom Tierschutzverein "SchaZi - Unsere Zickenfarm". Ihm fehlen allerdings noch ein paar Patenschaften.

Einige liebe Menschen haben sich bereits entschieden, mich bei Maíras Versorgung finanziell zu unterstützen. Sie benötigt dennoch ein paar weitere Pat/innen, um vollständig abgesichert zu sein. Es fehlen 100 Euro im Monat für Maíra Nora.

Fuego hat einen Paten mit 15 Euro. Es fehlen für ihn 105 Euro im Monat.

Noch ist Gandi nicht so kostenintensiv, weil er die Milch seiner Mutter trinkt. Wenn er älter wird, wird er auch mehr finanzielle Unterstützung benötigen. Er hat bisher zwei Patinnen.

Sachspenden

Eine große Hilfe sind auch Futter- und Sachspenden. Ich habe eine Amazon Wishlist eingerichtet, über die du Futter und andere nützliche Dinge direkt an uns schicken lassen kannst.
Was wir am meisten brauchen, ist allerdings Heu und Stroh. Wir freuen und über altes Stroh und über Heu, das für die Pferdefütterung nicht mehr verwendet wird (und trotzdem noch gut ist!) sowie z. B. Heu, Silage und Stroh aus Betrieben, die aufgelöst werden.

Vielen Dank!

Spendenaktion

Nur durch Spenden kann ich Tiere freikaufen und finanzieren.  Aktuell werden die Tiere nicht nur durch Patenschaften finanziert, sondern auch durch die Einmalspenden, die uns erreichen. Wichtig sind diese auch, falls einmal hohe Tierarztkosten anfallen sollten. Einige Beträge gehen auch an andere Tierschutzvereine, die ich gerne unterstütze.
Spenden kannst du über den nachfolgenden Button auf betterplace.org. Die Spendenkampagne heißt "Tierschutzprojekt Gehörnte Gefährten".

KuhKontakt / Individuelle Kuhbegleitung

Wenn du uns besuchen kommst und die Rinder kennenlernst, bedeutet mir das sehr viel, denn wenn man einmal ihr wundervolles Wesen erlebt hat, begreift man oft erst, wie wichtig es ist, sie zu beschützen und der Tierausbeutung ein Ende zu setzen. 
Noch dazu kann ich von dem kleinen Nebenverdienst einen Teil der Futterkosten bezahlen.

Das alles bringt nicht viel, wenn...

...wir nicht umdenken.
Um das Tierleid zu beenden, muss es zu aller erst bei uns zur Veränderung kommen. Du kannst uns unterstützen, doch wenn du weiterhin Milch, Fleisch, Eier und andere tierische Produkte konsumierst, unterstützt du, dass Tiere ausgebeutet werden. Solche Tiere sind Tiere, die ich freikaufe. Um zu vermeiden, dass Tiere überhaupt in Not geraten, müssen wir zuerst aufhören, dafür zu bezahlen, dass Lebewesen für uns wie Maschinen behandelt werden. Nicht nur für Fleisch sterben und leiden viele Tiere. Auch für Milch und Eier, Wolle und Leder. Milchkonsum trägt dazu bei, dass Kühe immer wieder aufs Neue (künstlich) geschwängert werden, die daraus entstehenden Kälber ihnen entrissen und geschlachtet werden und sie im Alter von fünf Jahren oft nicht mehr auf ihrer eigenen Beinen stehen können. Eierkauf sorgt dafür, dass Hennen oft nicht einmal ein Jahr alt werden und männliche Küken bei vollem Bewusstsein vergast oder geschreddert werden...
Und wäre das nicht schon genug, verursacht die "Nutz"tierhaltung auch die meisten unserer Umweltprobleme. Fange auf deinem Teller an, etwas zu verändern und die Welt wird ein besserer Ort. Danke!

Meine Gedanken und ein wenig Inspiration...

03.03.2024

Was wäre, wenn..?


Nayeli ist jetzt drei Jahre alt. Seht ihr, zu was für einer wunderschönen Kuh sie herangewachsen ist?

In der Milchindustrie, wo sie herkommt, würde sie jetzt wohl in der Hochleistung Milch geben. Sie hätte schon 2 Kälber geboren, die sie aber nicht hätte großziehen können, da sie ihr entrissen worden wären, direkt nach der Geburt oder ein paar Tage danach. Ihr Kinder wären gemästet oder auch zu Milchkühen herangezogen worden. Nayeli hätte davon nichts mitbekommen. Nur den Schmerz der Trennung und beim Melken. Das Euter würde ihr sicherlich schmerzen. Es wäre sehr groß und schwer. Sie würde mit vielen anderen Kühen in einem Stall auf Beton und Spaltenboden gehalten werden. Die Wiese könnte sie nur sehen. Direkt neben dem Stall. Aber niemals berühren. Vielleicht würde sie sich an ihre Zeit auf der Weide erinnern, mit all den anderen jungen Färsen, mit denen sie einen Sommer lang draußen sein durfte, bevor sie alle zum ersten Mal kalben würden.
Aber das wäre nur einmal und dann nie wieder. Vielleicht würde sie sich nach dem dick eingestreuten Stall sehnen, in dem sie vor, während und nach den Geburten war. Weil das Laufen da angenehmer ist und das Liegen auch. Weil der Boden da nicht so kalt und hart ist und die Sonne dort mehr in den Stall scheint. Vielleicht würde sie die melkfreie Zeit genießen. Ein paar Wochen im Jahr, wo sie nicht dreimal am Tag dicht aneinander gereiht an die anderen Kühe sich ihren Weg zum Melkstand bahnen müsste oder sogar hingescheucht und geprügelt werden würde, um lange da zu stehen und zu warten, bis die Melkmaschinen und sie ihren Dienst getan hätten. Vielleicht könnte sie es aber auch kaum erwarten, endlich ihr Kalb zur riechen und zu spüren und sauber zu lecken. Vielleicht würde es ja dieses Mal bei ihr bleiben? 
Mit drei Jahren lägen in der Milchindustrie noch ungefähr 2 - 3 Jahre vor ihr. So sagt es die Statistik. Dann würden ihre Knochen von der vielen, schweren Arbeit gebrechlich werden und wehtun. Ihre Milchleistung würde nachlassen und ihr Körper und Geist wäre ausgelaugt. Von zu viel Leistung und zu viel emotionalem Schmerz. Sie würde mit einigen anderen Kühen zum Schlachthof gefahren werden. Vermutlich eine lange, lange Fahrt.

Aber Nayeli ist hier. Sie ist keine Milchkuh. Sie ist eine junge Färse, die das ganze Leben noch vor sich hat. Sie lebt mit den Rindern zusammen, mit denen sie aufgewachsen ist. Sie lebt in einer Familie. Hat jeden Tag Gras, Erde und Matsch unter den Klauen und die Sonne auf dem Fell. Sie spielt und kuschelt und macht das, was eine junge Kuh so tun muss: Das Leben genießen ☀️


09.12.2023


Manchmal zweifle ich dann doch an allem


Weil ich so viele Kühe habe. Und dann doch so wenig Zeit. Jetzt wo Noni und Lina wieder bei mir zu Hause sind über den Winter, sehe ich sie jeden Tag und das genieße ich sehr. Ich kann mich wann ich will zu ihnen in den Stall setzen und darüber freuen sie sich total. Ich sehe, wie sie es genießen und ich merke, dass sie in dieser Hinsicht viel entspannter sind. Wenn ich sie auf den großen Wiesen habe, dann sind sie meistens ohne mich und dann ist die gemeinsame Zeit irgendwie ganz anders. 

Ich merke jetzt, wie sehr ich sie die ganzen Monate doch vermisste habe. Und ich merke, wieviel Zeit und Verantwortung ich aufbringen muss, um die anderen 8 zu versorgen. Dann vermisse ich manchmal wie es früher war, als ich nur die Zwei hatte. Ich habe manchmal das Gefühl und die Sorge, dass mir die Zeit mit ihnen davonrennt. 
Sie sind für mich ganz besonders und es ist mit ihnen etwas völlig anderes als mit den anderen. Natürlich liebe ich sie alle ❤️ 
Aber Noni und Lina stehen für mich an erster Stelle. Ich kann meine Liebe für sie überhaupt nicht mit Worten beschreiben.
Ich überlege dann auch, wie es weitergehen soll, wenn sie älter werden. Ich will mir doch genügend Zeit für sie nehmen können. Ich überlege und überlege. Und eigentlich weiß ich, dass es alles gut wird und dass ich mir keine Sorgen machen muss. Es wird sich alles so ergeben, wie es für uns gut ist. Und ich bereue es nicht. Ich bin dankbar für alles, was ist und jedes Tier, dass ich in meinem Leben habe und ich versorge sie gerne. Es ist nur manchmal sehr viel und ich habe meinen Herzenstieren gegenüber ein schlechtes Gewissen. Gleichzeitig weiß ich, es ist alles richtig so, wie es ist und wir sind genau dort wo wir sein sollen. Danke❤️


02.12.2023

Elodie


Heute möchte ich von Elodie erzählen. Immer wenn sie vor mir steht, bin ich zutiefst berührt. Ich habe mir schon länger gedacht, dass ich das Gefühl mit ihr und ihre besondere Geschichte und Persönlichkeit nicht nur für mich behalten möchte. Elodie ist eine ganz besondere Kuh und ich glaube, dass jeder, der von ihr liest, irgendetwas davon mitnehmen kann. Dass sie auch fremde Menschen mit ihrer Geschichte und ihrer Art berühren kann.

Der Name „Elodie“ bedeutet „zerbrechliche Blume“. Und genauso könnt ihr sie euch auch vorstellen.

Als ich sie und Elfrieda kennenlernte, war sie grade zwei Jahre alt. Der Bauer nannte sie Flocke und Locke. Der Viehhändler hatte sie ihm aufgedrückt. Sie waren mit ein paar anderen Tieren beschlagnahmt worden. Bis auf die Knochen runtergehungert. Keiner wusste wohin mit ihnen, sie waren für die Industrie kaum zu gebrauchen. Aber der Bauer gab ihnen eine Chance, päppelte sie wieder auf und brachte sie auf die Wiese, wo sie einen Sommer verbringen sollten. Diese Wiese lag direkt neben meiner, wo Noni und Lina standen.

Immer wenn ich zu ihnen kam, lagen sie entweder neben Noni und Lina am Zaun oder kamen neugierig zu mir. Elodie war immer etwas zurückhaltender als Elfi. Einmal hatte ich eine Tüte dabei und sie versuchten, damit zu spielen. Ich rannte über ihre Wiese und sie mir hinterher. Ich konnte sie nie anfassen, aber wir hatten eine wirklich schöne Zeit zusammen.

Nach einigen Wochen wurden sie verkauft. Ich war noch da, als sie verladen wurden, konnte es von Weitem sehen. Ich war so traurig. Ich wusste zwar davon, dass sie beide tragend waren und an einen Milchbauern verkauft werden sollten, aber zu dem Zeitpunkt sah ich mich nicht in der Lage, sie zu kaufen oder ihnen anderweitig zu helfen. Ich versuchte, sie zu vergessen. Wenn ich an der Wiese entlang ging, dachte ich fast immer an sie. Auch wenn mittlerweile meine Tiere die Wiese bezogen hatten, es war für mich immer Elodie und Elfriedas Weide. Selbst heute noch.

Ein Jahr später sprach ich mit dem Bauern über die Zwei und erfuhr, dass sie gar nicht weit weg bei einem alten Schulfreund von ihm waren. Er hat einen großen Milchviehbetrieb. Ich rief ihn an und fuhr auch dort hin. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich war, die Zwei wiederzusehen. Sie waren inzwischen Milchkühe in der Hochleistung. Ihr Ausdruck hatte sich verändert. Elfrieda war immer noch die forsche, selbstbewusste Kuh. Elodie sah nur zurückgezogen und traurig aus. Ich wusste, dass ein paar Jahre in der Industrie ausreichen würden, um sie vollständig zu brechen und auszulaugen. Elodie lässt alles über sich ergehen, sie erträgt, und dabei verschwindet immer mehr ihr wahres Selbst, die Blume hört auf zu blühen und geht langsam ein. Ich bat den Besitzer, mir Bescheid zu geben, wenn er sie nicht mehr braucht, in dem Wissen, dass das noch lange dauern würde, aber ich wusste auch, dass ich mir nicht noch mehr Kühe leisten konnte. Jedes Mal, wenn ich wiederkam, hatte er mich wieder vergessen, er nahm mich nicht ernst, es war ihm auch regelrecht egal. Aber ich war immer wieder dort, besuchte die Beiden und sprach mit ihm. Und er merkte, dass ich es ernst meinte. Trotzdem wusste ich, dass die Chance, sie irgendwann heile da raus zu holen, sehr gering war, wenn ich noch mehrere Jahre warten würde und so entschied ich, sie direkt zu kaufen. Ich sollte erstmal nur Elfrieda bekommen, wenn die Laktationsphase zu Ende geht. Leider scheiterte ich bei dem Versuch, bekam sie doch nicht und auch Elodie gab er mir nicht. Sie stand kurz vor der Geburt ihres zweiten Kalbes. Ich konnte nichts mehr tun und durfte sie nicht kaufen. Also kaufte ich ihr Kälbchen direkt nach der Geburt. Alva war ein riesiger Hoffnungsschimmer in der Zeit. Und das Strahlen, das Elodie ihrer Tochter mitgegeben hatte, hatte sie scheinbar selbst für immer verloren. Ich werde den Anblick nie vergessen, als ich Elodie nach der Geburt sah. Es war einen Tag danach. Sie war völlig am Ende. Sie atmete schwer und schien Schmerzen zu haben. Das Schlimmste aber war die tiefe Traurigkeit in ihren Augen. Ich habe selten so ein trauriges Tier gesehen. Manche würden meinen, das könnte man ihnen nicht ansehen. Aber jeder, der sie gesehen hätte, wäre eines besseren belehrt worden. 

Ich dachte kurz, sie würde an ihrem seelischen Schmerz zugrunde gehen. Wie furchtbar ist das denn bitte? Eine Mutter tut mehr als 9 Monate lang alles dafür, dass das Kind, das sie in sich trägt, gesund und munter zu Welt kommt, sie liebt es schon, bevor es überhaupt geboren ist. Es entsteht eine Bindung und Liebe und ja, das passiert auch bei einer Kuh! Aber kaum einer dieser Mütter in der Milchindustrie ist es möglich, ihr Kind auch nur wenige Tage zu erleben. Meistens ist es direkt nach der Geburt vorbei, manchmal nach ein paar Tagen. Egal wie lange oder kurz, es ist furchtbar und jede Mutter kann sich sicherlich diesen Schmerz vorstellen, wie es sein muss, sein Baby nicht bei sich zu haben und beschützen zu können. Elodie war zum zweiten Mal von ihrem Baby getrennt worden und sie konnte dagegen nichts tun. Ich weinte mit ihr. Und ich war für Alva da. 

Elodie konnte sich langsam erholen. 3 Monate nach der Geburt wurde sie schwer krank. Ich kam auf dem Hof, da sagte mir der Bauer, er hätte sie operieren lassen. Ihr Labmagen hatte sich verdreht, ohne die Operation wäre sie gestorben. Er sagte „Deine Kuh wurde operiert.“ Meine Kuh. Damit war es klar. Er hatte es für mich gemacht. Ich werde ihm für den Rest meines Lebens unendlich dankbar dafür sein, dass er das getan hat, obwohl es sich für ihn nicht rentiert hat. Elodie war abgemagert und gab keine Milch mehr. Er päppelte sie wieder auf und verkaufte sie mir.


Elfrieda konnte ich dann glücklicherweise auch noch bekommen. Sie war hochtragend. Und die Beiden zogen dann ein paar Wochen später mit den geretteten Kälbchen in einen Pensionsstall, wo Elfi ihr Kälbchen Emilio zur Welt bracht. Elodie war ganz unscheinbar. Sie war sehr zurückgezogen und versteckte sich meistens hinter Elfrieda. Auf der Weide stand sie nur auf einem Fleck. Sie fraß wenig und wurde immer dünner. Irgendwann entschieden wir uns, die Zwei wieder in den Stall zu holen.


Als sie zu mir auf den Hof zogen, konnte ich Elodie endlich regelmäßig beobachten und sie besser kennenlernen. Ich versuchte und versuche auch heute noch, sie immer zu bestärken. Ich bitte sie selten, mir auszuweichen, ich gehe ihr aus dem Weg. Ich wollte, dass sie selbstbewusster wird und sich traut. Ich wollte, dass sie sich wieder traut, ihre Meinung zu sagen. Elodie ist eine sehr sanfte Kuh. Wenn sie ein rangniedrigeres Tier wegschickt, dann macht sie das sehr vorsichtig und freundlich. Ich freue mich immer, wenn sie mal etwas klarer ist und jemanden wegstößt. Das hätte sie früher nicht gemacht. Es kommt trotzdem selten vor, weil es nicht ihre Art ist. Sie fragt immer höflich nach, wartet manchmal sogar bis ein rangniedrigeres Tier fertig mit dem Essen ist, sie schickt nie jemanden vom Schlafplatz weg, auch wenn sie als ranghöhere Kuh dazu berechtig wäre. 


Elodie ist mit der Zeit wieder aufgeblüht. Sie hat eine Bindung zu ihrer Tochter Alva entwickelt, sie kümmert sich um sie. Es ist kein Mutter-Tochter-Verhältnis, aber auch mehr als eine gute Freundschaft. Sie kümmert sich um ihren Enkel Anningan, sie ist die Tante, zu der die Jungtiere gehen, wenn sie einen sicheren und ruhigen Platz brauchen. Elodie ist in der Herde unscheinbar, aber ein immens wichtiger Bestandteil. Alle lieben sie. Auch ich. Diese Kuh hat mein Herz berührt. Wenn ich in ihre sanften, freundlichen Augen sehe, dann fühle ich einfach nur Frieden und Dankbarkeit. Elodies Gesichtsausdruck ist so lieb und freundlich. Sie hat gelernt, dass ich ihr nichts tue, deshalb schaut sie friedlich und mittlerweile auch zufrieden. Wenn sie stressfrei leben kann und ihren Raum bekommt, sich so zu entfalten, wie sie wirklich ist, dann kann man ihr wahres Selbst erst erkennen. Wenn Elodie an mir vorbeiläuft oder neben mir steht, dann überkommt mich jedes einzelne Mal Freude und tiefe Dankbarkeit sowie Demut und Faszination. Sie ist eine dieser Kühe, die mich einfach am meisten Berühren, auf eine ganz besondere Art und Weise. Elodie kann ich nicht streicheln, konnte ich noch nie. Und trotzdem sind wir tief verbunden. 

Elodie lässt mich hoffen. Sie schenkt mir Kraft, einfach nur, wenn sie neben mir steht oder wenn ich sie beobachten kann, wie sie lebt. Wie sie Dinge tut, die eine Kuh eben tut. Wenn sie sich das Recht herausnimmt, einfach Kuh zu sein, zu essen, im warmen Stall zu schlafen, zu spielen. Es kommt selten vor, aber sie spielt und dann springt sie und machmal wirkt es, als würde sie sich über ihre eigene Energie und ihre Verspieltheit wundern. Dann hält sie inne und dann springt sie nochmal, weil es scheinbar so schön war. Sie war zwei Jahre nicht draußen und die meiste Zeit hatte sie auch keinen gemütlichen Stall. Jetzt läuft sie über die Wiese und steht auch mal im Regen draußen, als würde sie genießen, dass sie Regen spüren kann. Sie liegt im warmen Stroh, hat die Augen geschlossen, um sie herum liegen die Jungtiere oder Elfrieda, ihre beste Freundin. Und Elodie genießt es einfach. Sie genießt einfach das Sein. Ich habe mich gefragt, wie das wohl für sie sein muss, festzustellen, dass es niemanden gibt, der ihr sagt, was sie zutun hat, dass niemand sie scheucht oder anschreit, dass sie einfach in den Tag hineinleben kann und dass alle ihre Liebsten bei ihr bleiben. Ich glaube sie weiß, dass das so bleibt und ich kann ihr ansehen, wie sie immer mehr ankommt und zufriedener wird und selbstbewusster und fröhlicher. Manchmal quälen sie noch die Schmerzen, die sie durch die OP hat und machmal hat sie noch große Angst vor mir oder einer Maschine, einer hastigen Bewegung oder einem lauten Geräusch. Sie geht achtsam und behutsam durch die Welt und ist meist aufmerksam und auf der Hut. Aber dann sehe ich sie auch manchmal, wie sie wirklich loslässt und nicht mehr so wachsam ist. Und mich durchfließt eine tiefe Dankbarkeit, dafür dass ich es vor fast drei Jahren gewagt habe, dass ich mich für sie eingesetzt habe und einfach dafür, dass es sie in meinem Leben gibt. Elodie ist zerbrochen und ich habe sie liebevoll gegossen, jeden Tag und habe ihr Nährboden gegeben, um zu wachsen und sich zu entfalten und das Ergebnis ist eine bildhübsche Blume, die sich immer weiter entwickelt und stärker wird.

Ich fühle Hoffnung, wenn ich an sie denke, denn jetzt weiß ich, dass jedes noch so zerbrochene Blümchen immer wieder aufblühen kann.

Anmerkung: Elodie wurde nicht schlecht oder tierschutzwidrig gehalten. Sie war in einem guten Stall. Es geht um das System, das sie kaputt gemacht hat, nicht der Ort oder dessen Menschen. Dem seelischen und emotionalen Befinden, wird in der Industrie keine Beachtung geschenkt. 


02.12.2023

Es ist okay


Manchmal wache ich morgens auf und kann kaum aufstehen, weil mich die viele anstehende Arbeit so sehr lähmt. 

Ich habe zwei Jobs, die ich sehr gerne mache, ein Tierschutzprojekt mit Tieren, die ich sehr liebe, eine kleine Selbstständigkeit, die mir Freude bereitet, lebe auf einem kleinen Hof in einem wundervollen Häuschen mit meinem Kater und dem Menschen, den ich liebe. Ich habe alles, was ich brauche, sprühe nur so vor Motivation und Ideen. Ich kann mir meine Arbeit einteilen, mir meine Tage so gestalten, dass sie mir guttun und Spaß machen. Ich erreiche viele Menschen mit dem, was ich tue, erlebe wundervolle Momente mit meinen Tieren und mache alles, was an Arbeit durch sie anfällt gerne. 

Trotzdem gibt es Tage, an denen ich nichts von dem schaffe, was ich machen müsste oder mir vornehme. Heute ist so einer. Ich wusste schon am Abend vorher, was ich alles machen möchte. Aber als ich aufgewacht bin, konnte ich einfach nicht aufstehen. Ich wusste, meine Kühe brauchen Heu, aber ich konnte es ihnen nicht bringen. 

Vor zwei Jahren war es ganz schlimm, ich konnte nichtmal mich selbst mehr versorgen. Ich habe mir Hilfe gesucht und mich selbst mit ein wenig Hilfe aus dem Loch befreit. Mittlerweile habe ich Wege gefunden, mich besser um mich zu kümmern, ich habe einen anderen Job, der mir guttut, anstatt mir zu schaden und ich bin sehr glücklich wie alles jetzt ist. Und trotzdem gibt es diese Tage, an denen ich es nicht schaffe. Wo ich gerne würde, aber nicht kann, weil mich die anstehende Arbeit lähmt. Ich fühle mich schlecht, weil ich weiß, dass meine Tiere mich brauchen und weil ich gerne Zeit mit ihnen verbringen würde. Ich fühle mich schlecht, weil ich meinem Freund gesagt habe, ich würde uns Mittagessen kochen, doch ich schaffe es nicht. Ich wollte das Haus weihnachtlich schmücken, wollte so vieles tun und ich schaffe nichts von dem. Ich bin frustriert. Wir fahren auf einen Weihnachtsmarkt. Ich nehme mir Zeit für etwas ganz anderes. Und mir geht es besser. Ich komme auf andere Gedanken. Ich werde die Sachen machen, die ich mir vorgenommen habe, nur zu einem anderen Zeitpunkt. Ich darf mir immer wieder sagen, dass es okay ist, nicht immer alles zu können und zu schaffen. Und dass Pläne sich ändern können. Natürlich versorge ich meine Tiere oder hole mir Hilfe dafür. Für mehr reicht es aber nicht und das ist in Ordnung. 

Es ist eine herausfordere Aufgabe, die ich habe, es bedeutet, dass ich viel Energie aufwänden muss, vor allem auch für das Organisatorische. Ich habe viel Verantwortung. Manchmal ist es einfach zu viel. Morgen wird es wieder anders sein und ich werde wieder voller Freude aufstehen und die Dinge tun, die ich mir vorgenommen habe. 

Bitte macht euch keinen Druck und verurteilt euch nicht dafür, wenn es euch mal so geht. Und wenn ihr den ganzen Tag auf dem Sofa oder in der Badewanne verbringt und nichts erledigt. Es ist euer Körper, der am Besten weiß, was ihr braucht. Wenn wir zu weit gehen und nicht drauf hören, haben wir nichts gewonnen.


Liebe

Das größte Leid der Welt ist der Mangel an Liebe. Ich habe gelernt, es mangelt uns allen an Liebe. Nicht an Geld, Macht, Empathie etc. Es ist die mangelnde Liebe, die dazu führt, dass Menschen so werden, wie sie eben geworden sind. Es ist die mangelnde Liebe die dazu führt, dass Menschen Leid zufügen, den Tieren, der Natur, ihren Mitmenschen. Es ist die mangelnde Liebe, die dazu führt, dass Eltern ihre Kinder seelisch und körperlich verletzen und dass wir unsere Liebsten strafen. Keine oder zu wenig Liebe in der Kindheit kann dafür sorgen, dass Menschen später keine Liebe empfinden, sie nicht ausdrücken können oder selber anderen das antun, was ihnen angetan wurde. Das Loch in der Seele der Menschen lässt sie auf verschiedene Weise gierig werden , damit es wieder gefüllt wird. Aber alles, was es füllt (Geld, Essen, Macht, Besitz, Suchtmittel, ...), ist nur ein Platzhalter für die Liebe, die eigentlich dort hingehört. Das verletzte Selbstbild, dass durch einen Mangel an Liebe entstanden ist, lässt sie hassen, lässt sie verletzen, lässt sie Dinge tun, die sie gut dastehen lassen, egal, wie es anderen dabei geht.
Ich bin nicht ohne Liebe aufgewachsen, ich habe sogar viel on ihr bekommen, aber habe auch erlebt, dass es denen um mich herum manchmal an Liebe fehlt und dann keine mehr für mich übrig ist. Ich habe früh erfahren, dass mir Liebe entzogen wird, wenn ich nicht so bin, wie ich sein sollte. Von der Familie, den Lehrern und den Mitschülern, die eben genau so aufwuchsen und deshalb nicht anders konnten. Es zieht sich bis heute, meine Ausbildung war oft lieblos und hasserfüllt. Sie können mit meiner Andersartigkeit nicht umgehen. Sie glauben, etwas Besseres zu sein und lassen mich und andere, auch die Kinder, jeden Tag spüren, dass wir nicht erwünscht sind, wie wir sind, dass wir die Liebe nicht verdient hätten, wenn wir uns nicht ändern. Allerdings könnten sie uns diese Liebe auch nicht entgegenbringen, da sie ihnen entweder fehlt oder sie nicht gelernt haben, sie auszudrücken. Ich habe früh erkannt, dass die Welt nicht genügend Liebe für mich übrig hat und dass sie dadurch kalt ist. Die Kälte hat mir die Kraft entzogen, während ich mehr und mehr von der Kraft brauchte. Die Kraft brauchte ich, um mich aufzuwärmen, zu überleben, was nicht so gewesen wäre, wenn die Liebe ausgereicht hätte. Die Kraft hat mich irgendwann verlassen und mein Körper fühlt sich nur noch ausgelaugt und kaputt an. Ich kann nicht mehr ohne Schmerzen morgens aufstehen und ohne sie nicht abends zu Bett gehen. Ich weiß oft nicht, was ich noch tun soll, mein Körper fühlt sich alt an, meine Seele verzweifelt, aber immer wieder denke ich, es muss ja bald besser werden. Aber es wird nur noch schlimmer, weil ein Teil der Menschen auf dieser Welt so viel Kälte in sich trägt und mir und anderen immer wieder hassvoll anstatt liebevoll begegnet. 

Durch Liebe wird es besser.
 
Ich weiß es. Sobald ich Liebe erfahre, werden die Schmerzen weniger und ich fühle mich nicht mehr so verloren. 

Wie definierst du Liebe?
Ich kann sie nicht wirklich in Worte fassen. Ich fühle nur, dass sie warm ist und dass sie das Gegenteil von Hass und Kälte bedeutet und dass sie bedingungslos ist. Sie ist einfach da und fängt uns auf. Sie ist essentiell wichtig. Ich fühle sie jeden Tag in meinem Herzen, für meine Tiere, für die Kinder, für meinen Freund, meine Familie. Ich fühle, dass sie irgendwo ist, sie kann nicht weniger werden in der Welt, sie kann sich nur transformieren oder woanders hingehen. Ich glaube, dass eigentlich jeder Mensch sie in sich trägt, und auch genügend von ihr, aber dass sie keinen Raum oder Ausdruck bekommt, weil all die gebrochenen Kinder irgendwann groß geworden sind ohne zu lernen, zu lieben, ohne zu lernen, der Liebe Platz zu machen oder sie zuzulassen, in sich oder durch andere. 
Was spricht dagegen, Kindern, Freunden, Partnern, Familie und allen anderen immer mit Liebe zu begegnen? Warum lieben wir nur, wenn es uns passt und nicht, wenn uns etwas nicht mehr passt? Warum müssen wir einander die Liebe entziehen?
Ich stehe selbst jeden Tag vor der Herausforderung. Der Mangel an Liebe ist auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Ich merke, dass ich Liebe entziehe, wenn ich sauer werde oder dass ich fies werden kann, wenn mir etwas nicht passt. Ich arbeite sehr daran und in stolz darauf, wie viel Platz Liebe in meinem Leben eingenommen hat und wie wenig hasserfüllt ich noch im Gegensatz zu früher handle. Wie sehr ich Akzeptanz und Wertschätzung für andere fühle und wie gelassen ich dadurch geworden bin. Und wie ich von meinem Umfeld dadurch mehr Liebe erfahre und ganz anderen Menschen begegne, die mir Liebe schenken, anstatt mir zu schaden. Es bedeutet nicht, sich alles gefallen zu lassen, immer nur durch eine rosarote Brille zu schauen und alles und jeden zu verhätscheln usw. Liebe beinhaltet auch, liebevolle Grenzen zu setzen, was wiederum Selbstliebe bedeutet. Ich lasse mir nicht alles gefallen und kommuniziere, wenn mir etwas nicht passt, aber ich kann dabei trotzdem liebevoll bleiben. 
Wie geht es dir damit?

17.08.2023

„Erlaube dir, der Mensch zu sein,                                            der du wirklich sein möchtest.“


Als ich vor 8 Jahren meinem Seelenverwandten Noni begegnete, wurde ein Prozess angestoßen, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe mich nach und nach unbewusst mit meiner Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Meine Spiritualität war einer der Grundsteine, der mir ermöglicht hat, mich dem zu öffnen. Mit der Zeit habe Bewusstsein für diesen Prozess entwickelt und gelernt, dem Leben zu vertrauen und mich von allem zu lösen und zu befreien, was mir schadet und nicht gut tut. Und ich habe gelernt, das anzunehmen und anzuziehen, was ich in meinem Leben haben möchte und was mir guttut und das, was es mir ermöglicht, immer mehr in meine Kraft zu kommen. 

Noni hat einmal gesagt, ich solle mich freuen, es würden Wunder passieren. Ich habe es nicht verstanden. Was sollen denn echte Wunder sein? Er sagte, ich würde es schon wissen.
Ich habe es nach einigen Jahren verstanden. Über die Jahre wurde ich mit so vielen Ereignissen, Menschen und Erfahrungen gesegnet, die für mich eindeutig wundervoll waren. Ich habe aber auch mein Verständnis von Wundern verändert. Und so erlebe ich sie mittlerweile ständig. 

Mit der Hilfe und dem Beisein meiner Tiere schaffe ich es, immer mehr zu mir zu finden und mein wahres Selbst kennenzulernen. Ich schaffe es, das hinter mir zu lassen, was ich dachte zu sein und was andere von mir hielten. Ich bin kein Opfer mehr. Ich schreibe das aus tiefstem Herzen, weil ich möchte, dass es andere erreicht. Ich möchte, dass wir es schaffen, uns für unsere Heilung zu öffnen und nur das zu tun, was sich für uns wirklich richtig anfühlt, dass wir nur das tun, was uns guttut und uns von allem lösen können, was uns schadet, von all den Menschen, die uns für unfähig erklären und klein halten. Wir haben die Chance, die Menschen zu sein, die wir wirklich sind und sein wollen, wenn wir uns für die Veränderungen öffnen und sie zulassen.


Wie ich eine tiefe Verbindung zu meinen Rindern bekam 

 
Ich habe mir vor ungefähr 7 Jahren eine Regel aufgestellt bzw. eine Abmachung mit meinen Rindern getroffen. Da war Noni 1 Jahr alt und ich 15: Handyfreie Zeit bei meinen Rindern.
Wenn ich bei ihnen bin, habe ich entweder mein Handy gar nicht erst dabei oder ich lasse es in der Tasche. Selbst wichtige Telefonate oder Nachrichten mache und schreibe ich möglichst nicht. Die Zeit bei meiner Herde gehört nur uns und ich möchte nicht abgelenkt werden. Ich habe das damals beschlossen, damit ich mich  voll und ganz auf sie konzentrieren kann und eine wirkliche Verbindung eingehen kann. Mit einer kleinen Ausnahme von Fotos oder Videos, die ich mir ab und an erlaube, zu machen. Wenn ich filme oder fotografiere, schaue ich dabei nicht durch den Bildschirm auf meine Tiere. Wenn die Aufnahme deshalb nichts wird, dann wird sie eben nichts. Der Moment ist das wichtigste. Die Präsenz und Verbindung sind das Wertvollste. 
Wenn ich die Möglichkeit hätte, mich bei meinen Tieren ablenken zu lassen, dann könnte ich nicht voll und ganz ankommen. Ich könnte nicht wahrnehmen, was sie mir signalisieren, nicht in ein Zwiegespräch gehen und würde manche Botschaften nicht mitbekommen, würde mich und die Situation evtl. manipulieren, könnte nicht tief einsteigen in diese Verbindung. Ich beobachte es oft und wir kennen es sicher alle: Wenn eine Situation unangenehm wird oder Menschen einem Gespräch aus dem Weg gehen wollen, schauen sie auf ihr Handy. Ich bemühe mich in Gegenwart von anderen Menschen, mein Handy wenig zu benutzen, denn ich möchte für mein Gegenüber präsent sein. Aber viele nutzen das, um aus einer Situation zu fliehen oder sich selbst, wenn sie alleine sind, von etwas abzulenken, ich kenne es selber. Und genau das möchte ich eben bei meinen Tieren nicht. Tiere sind immer voll und ganz da und präsent. Sie sind auch für uns immer voll und ganz da, wenn wir einander begegnen. Das Selbe möchte ich ihnen auch geben. 

Das hat mir ermöglicht, eine sichere und tiefe Bindung einzugehen, die unheimlich stark ist, in der ich viel lernen kann, in der ich bei jeder Begegnung unterschiedliche Emotionen erlebe und auch unangenehme durchlebe. Es hat mir ermöglicht, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, meine aufkommenden Themen mit meinen Tieren aufzuarbeiten. Ich konnte und kann mich tief verbinden, kann ihre Botschaften in Form von Bildern, Worten und Gefühlen empfangen, weil ich mich ohne Ablenkung darauf einlassen kann. Meine Tiere lieben es, wenn ich zu ihnen komme. Sie wissen, was sie von mir bekommen. Sie wissen, dass eine Verbindung zu mir etwas Beständiges ist und dass ich DA bin, vollkommen präsent und dass ich zu ihnen komme, um mit ihnen zu sein und nicht nur neben ihnen. Natürlich sind es nicht nur Handys, die uns da ablenken können, auch Gedanken und anderes. Das heißt, auch dafür gilt mein Grundsatz, wobei ich aufkommende Gedanken nicht verdränge, sondern sie zulasse. Ich schaue, welche Gedanken darf ich bei den Tieren durcharbeiten, welches Thema darf hier sein, stelle auch meinen Tieren dazu Fragen… und welche Gedanken darf ich grade loslassen, welche sollen hier jetzt vielleicht nicht sein, welche lassen mich nicht präsent sein? 
Wir neigen dazu, sobald es langweilig oder schwierig wird, zu flüchten und uns zu beschäftigen. Wenn ich bei meinen Tieren bin, dann warte ich, auf das was sie geben oder nicht geben. Ich warte auf das, was passiert. Ich gebe mich dem Moment voll und ganz hin. Das nehme ich auch in meinen Alltag mit. Es entstehen immer wieder wunderschöne Momente, die ich nicht erleben könnte, würde ich sie durch Ablenkung manipulieren. Ich merke mittlerweile, dass ich es sogar sehr brauche, so direkt verbunden zu sein. Wenn ich jemanden mit in die Herde nehme oder Menschen an der Weide treffe und sie stellen mir Fragen, wir unterhalten uns, dann habe ich hinterher oft das Gefühl, gar nicht bei den Kühen gewesen zu sein, weil wir nicht ganz verbunden waren. Es ist nicht so leicht, das in Worte zu verpacken. Vielleicht kann es der Eine oder die Andere verstehen. 

Ich wünsche mir einfach, dass wir wieder mehr das echte Leben genießen, dass wir für die Welt um uns herum präsent sind, die Augen offen haben, die Momente wirklich erleben und sie nicht nur durch den Bildschirm sehen. Ich wünsche mir, dass wir ehrlich zu uns selber sind, aufhören, uns selbst zu manipulieren und von uns selbst abzulenken. Das kann anstrengend und unangenehm sein, das ist vielleicht auch mal hart, sich mit den eigenen Emotionen und Themen so richtig aufrichtig zu befassen, aber nur so ist doch Heilung möglich, nur so geben wir uns selbst doch das, was wir eigentlich verdienen.

Wie Noni und Lina mich erden

Bei all den Rindern um mich herum, sind Noni und Lina einfach immer noch meine Herzenstiere, die für mich teilweise fast überlebenswichtigen.
Wenn ich sie brauche, sind sie für mich da.
Sie kennen mich so gut, dass sie manchmal besser wissen, was ich brauche, als ich selbst.
Neulich, als ich sehr gestresst und völlig überlastet mit Aufgaben war...
Ich wollte nur kurz bei ihnen sein, damit ich alles schaffen würde, bevor ich müde werde. Ich habe gespürt, dass ich mich trotzdem mit jedem einzeln kurz verbinden möchte, denn manchmal ist es diesen Winter passiert, dass ich nicht mal jeden einzeln begrüßt habe.
Also habe ich sie einfach alle kurz gestreichelt. Aber ich war nicht richtig bei mir und dadurch auch nicht bei ihnen.
Noni und Lina machen dann folgendes:
Sie kommen langsam zu mir, wenn ich nicht schon bei ihnen stehe. Und sie lassen sich kraulen. Ob ich sie kraule oder nicht, kommen sie immer näher. So dicht, dass ich irgendwann zwischen ihren Körpern stehe, ganz eng, so, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Sie drücken mich so fest an den jeweils anderen, dass ich manchmal schwer atmen kann. Aber nur so eng, wie ich es auch vertrage.
Sie würden sich nicht so hinstellen, wenn ich nicht dazwischen wäre. Sie drücken mal die Köpfe aneinander oder Lina drückt den Kopf in Nonis Bauch. Aber sie stehen dann nicht Bauch an Bauch nebeneinander.
Das machen sie also scheinbar wirklich meinetwegen.
Ich find‘s faszinierend.
Sie machen das, damit ich zu mir komme, mich selber wieder spüre. Sie erden mich.
Ich kann mich ein bisschen fallen lassen. 

Es ist kein grenzüberschreitendes Verhalten. Ich lasse es zu und könnte es ihnen jederzeit sagen, wenn es genug ist.
Was aber sehr schön ist, ist, dass sie wissen, wann es genug ist. Dann geht einer von ihnen einfach ein Stückchen weiter oder macht ein bisschen Platz.

Ist das nicht schön?
Mir ist es neulich aufgefallen, dass sie das immer machen, wenn ich es brauche und dass es mir auch sehr hilft. Danach geht es mir besser.
Es ist wie eine feste Ganz-Körper-Umarmung.

Egal, wie viel Mühe ich mir gebe...


... meinen Rindern werde ich wahrscheinlich nie gerecht werden können. Sie sind freiheitsliebend. Mein Problem, bzw. meine Herausforderung ist, dass ich ihnen diese Freiheit gerne zugestehen und sie nicht einschränken möchte. Dadurch können sie sich das nehmen, was sie brauchen. Doch das führt in letzter Zeit vermehrt dazu, dass ich das Gefühl habe, sie rennen meine Grenzen ein und tanzen mir auf der Nase herum. Wirklich bewusst hintergehen Tiere uns nicht. Doch sie merken Unsicherheiten und nutzen sie für sich, ohne es böse zu meinen. Selbst wenn ich meinen Rindern noch mehr geben würde, mehr Platz, mehr Entscheidungsfreiheit, was ich grade nicht kann, selbst dann wäre es nicht genug. Es wird nie reichen, um ihnen wirklich das Leben zu geben, was sie verdient haben. Ich weiß nicht, wie wir glauben können, wir können sie mit ein wenig eingezäuntem Platz, mögen es noch so viele Hektar sein, zufriedenstellen und halten. "Halten" - Es ist ein ABhalten von den natürlichen Dingen, die ihnen zustehen. Ein Abhalten von einen Leben in Freiheit. Ein Zurückhalten und Zurückdrängen ihrer Bedürfnisse. Kaum ein Rinderhalter hat 300 Hektar auf einmal zur Verfügung, um seine Rinder dauerhaft darauf zu hallten und selbst wenn, würde es den Tieren nicht gerecht werden, denn es ist nicht die Freiheit. Ich halte meine Rinder nicht artgerecht. Sie leben zwar von Frühjahr bis Winter auf riesigen Flächen, haben Futter und Wasser in ausreichender Menge, aber es ist nicht artgerecht. Obwohl sie auch im Winter immer auf verhältnismäßig großen Wiesen wohnen... Es ist nicht artgerecht, denn es ist nicht die Freiheit, denn die Flächen haben Zäune, die sie von der Freiheit trennen. Natürlich weiß ich, dass ich sie nicht in die Freiheit entlassen kann. Ich schütze sie durch das Einsperren, denn draußen würden sie aufgrund der geringen Flächen und der Straßen nicht mehr überleben. Dennoch möchte ich aufzeigen, wie anspruchsvoll Rinder doch sind und in was für ein Dilemma man gerät, wenn man seinen Tieren das zugestehen und geben möchte, was sie verdienen. Man wird es nicht schaffen. Manche sind anspruchsvoller als andere und manchmal glaube ich, ich habe die anspruchsvollsten von allen, denn selbst nach einem Tag auf der frischen Wiese im Winter rennen sie mir beim Umtreiben wieder davon, obwohl sie mir im Wald auf Spaziergängen doch immer folgen. 
Klarere Grenzen zu setzen, dass muss ich lernen, denn ich habe nichts davon, wenn meine Rinder meinen sie könnten alles für sich alleine entscheiden, dabei aber sich und andere in Gefahr bringen.
Gleichzeitig ist es doch ihr gutes Recht. die freie Wahl zu haben...

31.01.2022

Wie kann es sein?

Wie kann es eigentlich sein, dass das, was mit Tieren gemacht wird, um ihre Produkte zu vermarkten, noch in Ordnung ist? Dass es einen nicht strafbar macht, wenn man sie umbringt, sie ausbeutet, ihnen ihre Kinder stielt, sie vergaßt, sie schreddert, sie erschlägt, sie verschifft, sie in ihren eigenen Exkrementen verrecken lässt?
Nein, es ist nicht verboten. Zumindest das meiste davon nicht. Und der Rest? Sagen wir so: Es wird praktiziert. Wo kein Kläger, da kein Richter. Doch sie wissen es, die Veterinärämter, und sie sehen weg. Wir wissen es und wir sehen weg. Die Menschen wissen es oft und kaufen weiter, als wäre es nichts.
Wie kann das sein? Wir leben im 21. Jahrhundert! Manchmal begreife ich gar nicht, dass es noch passiert, obwohl es doch so unfassbar schlimm ist. Und dass es keine Ausnahme ist, sondern tägliche Realität. Der Grund dafür liegt an folgendem Punkt: Die Menschen glauben, sie wären mehr wert, als die Tiere. Sie denken in Schubladen. Hunde und Katzen haben einen höheren Stellenwert. Schweine, Rinder, Hühner, Enten? Lebewesen dritter Klasse. So werden sie behandelt. Als wäre es des Menschen Recht, sie so zu behandeln, so über sie zu denken und letztendlich für ihr Leid zu sorgen. Ihr Leid ist größer, als den meisten von uns jemals bewusst werden wird. Wären wir an ihrer Stelle, würden wir um Gnade betteln.
Jahrelang habe ich für die Rechte der Tiere lautstark gekämpft. Bis ich irgendwann müde davon war. Es hat ja doch kaum jemanden interessiert. Alle finden sie meine Rinder toll, aber mal über ihr Konsumverhalten nachzudenken, das kommt gar nicht infrage. Es bringt mir und meinen Tieren nichts, wenn man uns und unsere Aktionen toll findet. Tut mir leid, vielleicht klingt es hart. Aber es ist immer wieder aufs Neue so frustrierend, Menschen vor mir stehen zu haben, die mich loben und mir im Anschluss beteuern, sie würden ja nur ganz wenig Fleisch essen.
Was hat das Tier davon, wenn du nur seinen Bauch isst und seinen Nacken übrig lässt?! Nämlich gar nichts und die Milchkuh kann sich auch nicht drüber freuen, denn ihr Kalb wird ihr wegen deines Milchkonsums trotzdem weggenommen und anschließend umgebracht. Weil du Käse essen wolltest.
Ich habe es vor Jahren schon einmal gesagt. Und ich sage es wieder: Es wird Zeit.
Zeit, etwas zu ändern. Nicht in ein paar Jahren, nicht, wenn die Politik einschreitet. Nein, jetzt und selbstständig. Unsere Verantwortung.

Was darf ich als Tierschützer und -rechtler überhaupt mit meinen Tieren machen?

Manchmal wird kritisiert, dass ich mit ein paar wenigen meiner Rinder spazieren gehe oder Noni sogar manchmal reite. Ich habe mir selber öfter mal die Frage gestellt, vor allem im Bezug auf das Reiten. Darf ich das? Ist das in Ordnung oder ist das tierschutzwidrig?
Oft ist es so: Jemand ist aktiver Tierrechtler oder -schützer und spricht sich damit gegen das Reiten aus. Reiten gleich NO GO: Selbiges gilt für das Spazierengehen oder jegliche Art des Trainings mit dem Pferd oder in meinem Fall mit dem Rind.
Zu allererst sollte man sich immer ganz ehrlich fragen: Was hat das Tier davon?
Das kann eigentlich niemand von außen beurteilen, sondern nur der Besitzer bzw. der Verbundene des Tieres. Von Außen ist ganz leicht mal gesagt: Das arme Pferd, das wird geritten. Vielleicht hat das Pferd aber auch eine Diagnose, die Mensch und Pferd zum Training zwingt, bzw. Reiten ihnen hilft. Vielleicht hat das Pferd Spaß daran. Manchen Tieren kann es psychisch helfen, einen Menschen zu tragen.
Oftmals ist es nicht so, ich weiß. 
In Nonis und meinem Fall war es zunächst eine egoistische Entscheidung. Später dann, weil ich gemerkt habe, dass Noni stolz ist, mich zu tragen. Andere möchte er nicht so gerne tragen. Trotzdem reite ich ihn nicht mehr oft und vor allem nicht lang. Ich frage vorher, ob es ok für ihn ist und deshalb denke ich, dass ich es mir erlauben kann. Weil ich wirklich versuche, auf mein Tier zu hören und zu akzeptieren, dass das Reiten einfach nicht so seins ist und er es eben oft nicht möchte.

Was das Spazierengehen betrifft, finde ich es manchmal echt frustrierend und nervig, wenn Menschen meinen, sie könnten das ganze von Außen beurteilen. Spaziergänge sind von Mensch-Tier-Paar zu Mensch-Tier-Paar so verschieden. 

Sollte ich meine Rinder einfach nur auf der Wiese abstellen und sie mit allem bedienen, was sie brauchen, nur, weil ich sie „gerettet“ habe und sie nicht als „Nutz“tiere halte, weil ich eine Tierschützerin bin? Nein, weil ich das erstens gar nicht könnte: Ihnen alles geben, was sie brauchen, denn sie brauchen so vieles, was wir ihnen nicht geben können. Und zudem bin ich einfach ein Mensch. Ich bin ein Mensch, der erleben möchte. Spaziergänge mit Noni und Lina, die gerne dabei sind und es genießen, wenigsten ein kleines Stückchen Freiheit zu erleben, geben mir Kraft, lassen mich zu mir und meinen Tieren zurückfinden. Sie helfen mir, in dieser Welt klarzukommen, die so voll von Leid ist. Spaziergänge, auf die meine Rinder keine Lust haben, mache ich schlichtweg nicht (mehr). Das würde keinen Sinn ergeben. Das würde uns nur stressen und schon gar nicht bei all dem helfen, was ich grade aufgezählt habe.

Ich würde sagen, dieser Bestandteil unseres Lebens ist ein Bestandteil des Tierschutzes, des Schutzes der Tiere und des Tierrechts, des Rechts der Tiere. Ein Recht auf Freiheit, Autorität, Wandern, Freude, Bewegung, Spaß, Erlebnis. Das ist auch etwas, das Rinder wollen und brauchen.

Ich kann ein Rind kaufen, es auf eine Wiese stellen und sagen „Ich habe es gerettet“. Ich kann aber auch versuchen, die individuellen Bedürfnisse eines jeden Einzelnen (Und sie sind so verschieden) anzuerkennen und zu stärken und versuchen, sie zu erfüllen. Das gelingt nur, wenn wir unsere Tiere an uns heranlassen und sie kennenlernen. Dann wissen wir, was sie wirklich brauchen und dass das einfache Leben auf einer Weide oftmals nicht das ist, was sie wirklich glücklich macht.
💫

Ich glaube nicht, dass wir über den Tieren stehen.

Ich glaube es nicht mehr.
Von Beginn unseres Lebens an wird uns nichts anderes erzählt und beigebracht, als dass es uns obliegt, über das Leben der Tiere zu bestimmen und dass wir mehr wert sind als sie. Das glaube ich nicht und das vertrete ich auch nicht. Ich bin mittlerweile der Meinung bzw. zu der Erkenntnis gekommen, dass das Leben eines Tieres genauso viel Wert hat wie mein eigenes.
Für viele mag das vielleicht bedeuten, dass sie sich selber abwerten sollen und das will man ja nicht.
Ich werte die Tiere eher auf, statt mich ab.
Sie werden mit Füßen getreten, wir entscheiden über ihre Leben und ihre Rechte. Sie werden ausgenutzt, umgebracht, bloßgestellt, vergewaltigt... Es wird entschieden, wer ihre Familie und ihre Freunde sind, wie groß der Platz ist, den sie zum Leben haben. 
Das alles, weil wir glauben, unser Wohlbefinden und unsere Wünsche hätten Vorrang.
Nein. Haben sie nicht. Ich rede nicht von unserem Überleben, sondern von Luxus, wie z. B. „Ich will aber in den Zoo und meinen Kindern die Tiere nahe bringen“ oder „Mein Pferd lässt sich nicht reiten, also gebe ich es ab.“ oder „Ohne Käse kann ich nicht leben.“
Können schon, aber wollen nicht. 
Dafür leiden und sterben viele Tiere, das sollte man sich bewusst machen.
Ich versuche, in Situationen, in denen es nicht zum Schutz meiner Tiere notwendig ist, nicht über sie zu entscheiden, sondern sie selber frei wählen zu lassen.
Wollen sie nicht spazieren gehen, gehen wir nicht. Wollen sie kein Fliegenspray, sprühe ich sie nicht ein. Wollen sie nicht bei der Freiarbeit mitmachen, müssen sie nicht, deshalb heißt es ja Freiarbeit. Wollen sie kein Halfter anziehen, lassen wir es.
Natürlich kommt es auch auf die Situation an. Wenn es dringend notwendig ist, muss man eben respektvoll versuchen, sie zu überzeugen oder es eben doch zu machen. Dadurch werden sie z. B. geschützt. Für etwas anderes, als dass wir am Ende doch über das Leben der Tiere entscheiden, ist unsere Welt nicht ausgelegt.
Die Tiere sind nicht für uns auf dieser Welt. Und sie sind auch nicht hier, um einen Nutzen zu erfüllen.
Sie sind alle nur ihretwegen hier. Genauso wie wir unseretwegen hier sind.
Und wir können alle einen Beitrag für unsere Umwelt, die Welt um uns herum, leisten.
Ist das nicht schön?
Ich liebe es, hier zu sein, einfach um meine Erfahrungen zu machen.
Lassen wir die Tiere genau das auch tun.
Lassen wir sie das Leben genießen, mit all seinen Facetten. Lassen wir sie selbst entscheiden. Lassen wir sie in Frieden leben, so wie wir es auch tun wollen.

Leid und was es mit mir zutun hat...

Tierleid, Menschenleid, Leid allgemein ist für mich das Schlimmste. Ich strebe immer nach Harmonie und Frieden und Wohlbefinden. Ich will keine Ungerechtigkeit. Das Leid um mich herum, fühlt sich oft an wie mein Eigenes. Ich wurde gefragt und frage mich oft selber: War das schon immer so? Schließlich bin ich erst mit fast 15 Vegetarier geworden und habe davor ganz normal Tiere gegessen, alles „normal“ konsumiert, wie alle anderen um mich herum auch. Vegetariern habe ich einen Vogel gezeigt. Dafür fehlte mir absolut das Verständnis, dabei wusste ich ja, dass es Tiere sind, die wir essen. Ich denke oft an meine Kindheit und immer öfter fallen mir Ereignisse und Dinge ein, die mich darauf stoßen lassen, dass ich eben doch schon früher so gefühlt habe, nur eben nicht so stark. Ich dachte immer, ich wäre vollkommen blind und taub, Gefühlstaub und -blind, durch die Welt gelaufen und wäre erst später wach geworden. Und so ähnlich war es auch. 
Ich habe mich früh dafür interessiert, was ich esse. „Was ist das?“, habe ich oft gefragt. „Schwein.“ Und ich habe es gegessen. Als ich ca. vier bis sechs Jahre alt war, trat ich bei einem Spaziergang mit meiner Mama auf einen Käfer - mit Absicht. Meine Mama war ganz entsetzt und schimpfte. Bis heute denke ich an diese Situation, wenn die Kinder im Kindergarten auf Insekten treten und ich irgendwie versuchen möchte, zu vermitteln, dass das nicht in Ordnung ist. Ich habe nie wieder seitdem auf ein Insekt mit Absicht getreten. Nicht, weil mir der Käfer leid tat, sondern wegen der Reaktion meiner Mutter. Heute fühle ich den Schmerz des Käfers und es tut mir leid. Aber er hat vermutlich viele Käferleben gerettet, weil er bei mir Bewusstsein geschaffen hat. Wie aber sollte ich auch wissen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn zu Hause Fliegen geklatscht und Mücken getötet wurden? 
Das Bewusstsein wurde mir dennoch früh vermitteln, denn Spinnen zum Beispiel haben wir in einem Glas nach draußen gebracht. 
Es gibt eine Fähigkeit, die es mir erleichtert hat, klar zu sehen. 
Denn ich erinnere mich an eine Situation in der 4. Klasse. Es war ein Ausflug in den Wald. Ein Junge aus meiner Klasse, versuchte, einen ohnehin schiefen, kranken Baum, abzubrechen, ihn aus der Erde zu reißen. Damit er, wie er selbst sagte, „abkratzt“. Er hatte ein breites Grinsen im Gesicht und schien Spaß daran zu haben. Ich wiederum, war entsetzt und traurig. Ich sagte ihm, er solle „den armen Baum“ in Ruhe lassen, versuche aber im selben Augenblick, meine Empfindungen abzuwerten und sagte mir innerlich, es sei doch nur ein Baum und wunderte mich förmlich selber über meine Reaktion. 
Wenn ich zurückdenke und -fühle, merke ich, dass es ein ganz unschönes Gefühl war, das ich bekam. Heute weiß ich, ich spürte die Energie. Der Baum litt. Wir wissen, das Bäume Seelen haben, Bäume leben. Dieser Baum war dabei, zu sterben. 
Ich glaube, ich habe seitdem nie wieder eine Pflanze bewusst verletzt. Natürlich habe ich Rosen abgeschnitten oder Blumen gepflückt, aber ich glaube nicht, dass es mir, auch vorher, in den Sinn gekommen wäre, einen Baum zu zerstören oder überhaupt einen Ast grundlos abzubrechen. 
Ich fühle das Leid. Damals konnte ich es noch nicht zuordnen. 
Ich wusste immer, wenn meine Katze etwas nicht wollte, auch wenn sie es nicht zeigte. In mir machte sich immer ein schlechtes, unangenehmes Gefühl breit, wenn ich sah, wie mein Vater, sie einfach im schmalen Flur umlief, weil sie im Weg stand. 
Um mich herum wimmelte es nur von Emotionen und Schwingungen und ich bin früh ernst geworden. Weil es zu viele waren. 
 
Ich hatte Mitleid mit der Kuh, die mein Opa anband, damit das Kalb bei ihr trinken konnte. Molli und Lotta waren beide wochenlang angebunden und sie taten mir leid. Sie taten mir LEID - bedeutet, sie haben in mir Leid verursacht, das ich nicht fühlen wollte. 
Vögel, die gegen unsere Fenster geflogen waren, beerdigten wir und sie taten mir ebenso leid. 
Ich wollte nicht, dass Mausefallen aufgstellt werden.
In der 5. Klasse behandelten wir das Thema des Magnetismus. Es ging um einen Bullen, der Stacheldraht gefressen hatte und dem man eine magnetische Sonde o. ä. einführte, damit es sich an einem Fleck im Magen sammelte. Im Schlachthof sah man dann das Ausmaß dessen und fand den Stacheldraht. Mich interessierte nicht, was der Magnetismus verursacht hatte. Ich weiß nicht, was im restlichen Text stand. Ich weiß nur, dass ich völlig beleidigt war, dass der Bulle geschlachtet wurde, obwohl er ja gesund war. Ich war verwirrt, dass es niemanden sonst interessierte. Ich wollte nie Rind und Pferd essen. Warum mir alles andere egal war, weiß ich nicht. Vermutlich, weil ich zu diesen Tierarten einen direkten Bezug hatte. Eine Katze hätte ich ja auch nicht gegessen, würde wohl niemand von uns. 
Meine Gefühle und der Gerechtigkeitssinn waren also früh vorhanden. Dennoch habe ich Leid verursacht, indem ich Fleisch gegessen habe und Reiten gegangen bin. Allerdings habe ich auch da irgendwann gemerkt, wie es den Pferden häufig geht. 
Dass ich das alles fühlte und das Bewusstsein wuchs, bedeutet nicht, dass ich nie Leid zugefügt habe und gerecht war. Ich glaube, wenn man so fühlt, lernt man irgendwann und irgendwie, es auszuschalten und darüber hinweg zu handeln. 
Man handelt aus dem eigenen Schmerz heraus und fügt anderen Schmerzen zu, damit man seinen nicht mehr fühlen muss, davon ablenken kann, der aber von außen verursacht wird, ein Teufelskreis. 

Eine weitere Situation, an die ich mich genau erinnern kann, ist die, in der mein Opa dem Viehhändler meinen Ochsen Linus vorstelle. Er bewertete ihn. Er sagte, da hätte ich ja ein tolles Tier großgezogen. Er nannte den Preis, bzw. seinen Wert. Ich weiß ihn nicht mehr. Ich weiß nur, es war unfassbar wenig. Irgendwas mit 200. Und ich war entsetzt, wütend und traurig zugleich. Ich erzählte meiner Mutter davon. Ich weiß nicht, warum ich traurig war. Ich hätte traurig sein müssen, dass Linus geht. Aber ich fand den Preis ungerecht. Linus war mir doch so viel Wert...
Ich hatte auch Angst, dass er geschlachtet wird, aber mir wurde versichert, dass das nicht passieren würde. Von wegen. Wenn ich das gewusst hätte.  
 
In der 5. oder 6. Klasse hielten Klassenkameradinnen einen Vortrag über Massentierhaltung. Ich war entsetzt, fand das unfair. Aber den letzten Schritt bin ich nicht gegangen. Es hatten sich die Punkte in meinem Kopf noch nicht verbunden und das Leid war zu weit weg. 
In einer Fleischesserfamilie kommt einem auch wohl erstmal nicht in den Sinn, mit dem Fleischessen aufzuhören. 
Als ich 14 war, sahen wir in Erdkunde einen Film über Schweinemast und ich glaube auch einen über Geflügelfleisch und dessen Export. Der Film über die Schweine… ich habe ihn verdrängt. Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich weiß, dass ich danach wusste, das kann ich doch nicht mehr essen! Dass so etwas passiert, war für mich fast unbegreiflich. Meine Freundinnen sagten mir, ich könne doch jetzt deshalb nicht aufhören, Fleisch zu essen und machten sich lustig über mich. Also aß ich erstmal weiter Fleisch. Aus den Augen - aus dem Sinn. 
Dann wurde Noname geboren. Eine lange Freundin von mir war zu dem Zeitpunkt Vegetarier und besuchte uns. Sie lehnte Fleisch ab, das meine Oma ihr geben wollte. Ich fragte, warum. Sie meinte, sie sehe das Tier vor sich auf dem Teller. Ich wertete dies ab. Ich aß das Tier. 
Mit der Zeit, durch die Verbindung zu Noname, in der ich auch sein Leid fühlte, wenn er krank war, wurde mir mehr und mehr bewusst. Ich informierte mich ungewollt über das Ausmaß der Tierindustrie. Was mich letztendlich endgültig wachrüttelte, war eine Geschichte, die ein Mädchen in meinem Alter über eine Kuh im Schlachthof geschrieben hatte - aus der Sicht der Kuh. Ich glaube, ich habe geweint. 
Ich merkte, dass zwischen Noni und den anderen Tieren kein großer Unterschied bestand, weder zu den Haustieren, noch zu den sogenannten Nutztieren. Ich erzählte auch meiner Mutter davon. Ich glaube, ich reduzierte Fleisch. 
An Weihnachten 2015, Noni war ein halbes Jahr alt, lag eine Gans auf dem Tisch. Ich beschwerte mich schon vorher darüber und war beleidigt. Meine Mutter schnitt sie mit einem sehr, sehr großen Messer auf. Mir wurde schlecht. Nicht übel, sondern es fühlte sich einfach sehr, sehr schlecht an. Ich nahm meine Schwestern und ging nach draußen. Ich erklärte ihnen, dass die Gans ja mal gelebt hatte und nicht sterben wollte. Meine Oma überredete mich, ein Stück der Gans zu essen. Seitdem habe ich nie wieder (bewusst) Fleisch gegessen. Ich war vollkommen wach. Ich war mir endlich im Klaren über das Ganze und ich versteckte meine Emotionen nicht mehr. 
 
Es entstand endlich ein Einklang mit meinen Emotionen und der Welt um mich herum. Jedenfalls zu einem großen Teil. Von da an war es noch ein langer Weg, bis ich den Rest begriff und vegan wurde und bis die Menschen um mich herum begriffen hatten, worum es mir geht. 
Ich hörte auch auf, Reitunterricht zu nehmen, weil die Tritte sich anfühlten, als galten sie mir. 
 
Seither fühle ich das Leid der Tiere fast ungefiltert. Das kann Vorteile und Nachteile haben. Im Nachhinein weiß ich, dass es mich zum Teil verbittert hat. 
 
Ich sehe die Stadttauben, sie tun mir leid, wenn sie weggetreten werden. Ich sehe Tiertransporter, mir wird übel und kalt. Ich höre eine Geschichte über ein Tier und kann genau fühlen, um was für Emotionen es sich dabei handelt. 
Ich kann irgendwie fühlen, wie es einem Menschen oder Tier geht. Ich merke, wenn unter meinen Füßen ein Insekt stirbt. Ich weiß nicht, woher ich es weiß, aber das Wissen darüber ist dann einfach da. 
Schreit ein Kalb, geht es mir durch Mark und Bein. 
Ich könnte niemals einfach an einer Hummel vorbeigehen, die geschwächt auf dem Boden liegt. Neulich musste ich weinen, als mein Vater eine Obstfliege erschlagen hat. Nichtmal Zecken kann ich mehr etwas tun. 
 
Manchmal fühle ich auch einfach gar nichts. Weil es zu viel ist und weil es auch einfach nicht sein muss. Ich weiß nun bescheid. Ich muss mich abgrenzen können. 
 
Das alles macht mich nicht besser, das will ich gar nicht damit sagen. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen. Noni hat mir die Augen geöffnet. Das alles macht mich nicht besser, es macht mich angreifbar und lässt mich schwach fühlen. 
Es ist für mich oft nicht so leicht, zu verstehen, warum andere einfach über das Leid anderer hinwegsehen. 
Aber eigentlich habe ich es oft genauso gemacht. Nur dachte ich, ich allein verursache doch kein Leid. Ich doch nicht. Das Bewusstsein kam erst später.

Abschied

Leider musste ich am Sonntag, den 18. April 2021, Abschied von meiner geliebten Kuh Klara nehmen. Klara war fast 16 Jahre alt und hatte schon lange Gelenkprobleme. In der letzten Woche ihres Lebens konnte sie nicht mehr aufstehen. Sie war trotzdem noch so munter und fröhlich, dass wir uns vorerst gegen eine Einschläferung entschieden.
Die letzte Reise hat sie ganz selbstständig und bewusst angetreten, ohne dass ein Einschläfern nötig war. Sie ist in Frieden gegangen und das macht es für mich erträglich.

Klara kenne ich schon fast mein ganzes Leben und somit war es nicht leicht für mich, sie so zu sehen. Auch wenn ich darauf vorbereitet war, war es ein Schock, sie tot aufzufinden. Klara habe ich so gut wie alles zu verdanken. Sie ist die Mutter und Oma einiger meiner Kühe.
Ich möchte hiermit darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, auf sein Tier zu hören und ihm den Sterbeprozess so zu ermöglichen, wie er oder sie es sich wünscht, Tiere wissen meistens ganz genau, was sie wollen und auch sie haben ein Recht darauf, zu leben, auch wenn sie nicht mehr alles machen können, so wie in diesem Fall eben, nicht mehr laufen zu können. Natürlich muss man abwägen, ob das Leid größer ist, als die Lebensfreude und der Lebenswillen.

Ich bin Klara unendlich dankbar für das, was ich von ihr Lernen durfte und ich trage diese wundervolle Kuh immer in meinem Herzen.

Klara:
alt-deutscher Name, kommt von dem Wort "klara" und stammt von der Silbe "klar" ab, was "reine, ungetrübte, deutliche" bedeutet.

"Klara" entstammt dem Wort clarus für hell, schön, leuchtend. Klara ist somit "die Schöne", "die Leuchtende" oder auch "die Berühmte".

Kontaktformular

Deutschland

Es gilt unsere Datenschutzerklärung.